Mykene: Die Zitadelle Agamemnons besuchen
Mykene: Löwentor, Schatzhaus des Atreus, Schliemanns Goldfunde, Eintrittspreise, Öffnungszeiten und Anreise ab Nafplio oder Athen.
Mykene ist die Stätte, die Mythos mit Archäologie verknüpfte. Als Heinrich Schliemann 1876 die Palastzitadelle ausgrub, fand er goldene Totenmasken, eingelegte Waffen und königliche Bestattungen, die so reich waren, dass sie die Legenden der Homerischen Gedichte zu bestätigen schienen. Die von ihm entdeckte Zivilisation — die Mykenäer, die die bronzezeitliche Ägäis von ca. 1600–1100 v. Chr. dominierten — war völlig in Vergessenheit geraten. Mykene war das mächtigste ihrer Palastzentren, und seine Überreste sind die eindrucksvollsten bronzezeitlichen Stätten des griechischen Festlandes.
Die Hauptstätte
Die Zitadelle liegt auf einem natürlichen Felsvorsprung zwischen zwei Bergen (Berg Agios Ilias und Berg Zara) und beherrscht den Zugang zur Argolisebene. Die massiven Kyklopenmauern (von späteren Griechen benannt, die nicht glauben konnten, dass Menschenhände sie gebaut hatten — nur die Kyklopen hätten solche Steine heben können) datieren auf ca. 1350–1200 v. Chr.
Das Löwentor: Der Haupteingang zur Zitadelle — das berühmteste bronzezeitliche Monument Europas. Zwei Löwen in Relief über dem Sturz sind die älteste monumentale Skulptur der europäischen Kunst. Die architektonische Anordnung (Schwelle, Pfosten, Sturz, Reliefblock) ist nach 3.000 Jahren im Wesentlichen intakt. Die Figuren oben sind kopflos; die Köpfe waren wahrscheinlich Bronze, separat angebracht.
Schachtgräberkreis A: Innerhalb des Löwentors, der wichtigste Fund — sechs königliche Schachtgräber, entdeckt von Schliemann 1876, die den Zeitraum ca. 1600–1500 v. Chr. abdecken. Schliemann fand 19 Körper und 14 kg Goldobjekte, darunter die goldenen Totenmasken, die sich heute im Nationalen Archäologischen Museum Athen befinden. Ein späterer Kreis (Schachtgräberkreis B) ist in der unteren Stadt sichtbar.
Der Palast: Die obere Terrasse der Zitadelle. Das Layout folgt dem standardmäßigen mykenischen Muster — ein großer Saal (Megaron) mit einem zentralen kreisrunden Herd, flankiert von vier Säulen, einem Thronsaal und einem Korridor um den Hof. Die Böden waren mit bemaltem Putz dekoriert; Reste sind sichtbar.
Das Kornlager: Das Gebäude innerhalb und rechts vom Löwentor — zur Lagerung von Getreide und Tontafeln (den Linearbeschriftungen des Palastes) verwendet. Die Archive dokumentieren Wein-, Getreide- und Wollinventare.
Die Geheimzisterne: Eine unterirdische Zisterne im Nordosten der Zitadelle, 18 m tief in den Fels gehauen und über 99 Stufen zugänglich — die Wasserversorgung, die der Zitadelle ermöglichte, einer Belagerung standzuhalten. Man kann mit einer Taschenlampe hinabsteigen (eigene mitbringen; die Stufen sind rutschig).
Das Schatzhaus des Atreus (Grab des Agamemnon)
500 m vom Haupteingang entfernt — ein Tholosgrab (Bienenkorbgrab) von ca. 1250 v. Chr., das schönste bronzezeitliche Architekturbauwerk Griechenlands. Der Eingangsgang (Dromos) ist 36 m lang und 6 m breit; der Türsturz wiegt 120 Tonnen; die Innenraumkuppel hat 14,5 m Durchmesser und 13,2 m Höhe — der größte überdachte Raum der antiken Welt bis zum Pantheon in Rom.
Das Grab wurde schon früh geplündert; die ursprünglich darin bestatteten Objekte waren wahrscheinlich mit den Schachtgrabfunden vergleichbar. Die Ingenieursleistung ist jedoch außergewöhnlich — die Kuppel ist ohne Mörtel gebaut, wobei jeder Ring aus Kragsteinen nach innen auskragt. Sie steht seit 3.250 Jahren. Eintritt im Hauptticket enthalten.
Das Museum vor Ort
Ein kleines, gut gestaltetes Museum am Eingang der Hauptstätte — enthält Architekturfragmente, Keramik und einige Freskenfragmente aus dem Palast. Die besten mykenischen Funde (einschließlich Schliemanns Gold) befinden sich im Nationalen Archäologischen Museum Athen.
Hintergrund: Das Nationale Archäologische Museum Athen
Die bedeutende mykenische Sammlung befindet sich in Athen (Patission 44, Eintritt ca. 15 EUR, geöffnet 8:00–20:00 Uhr Mi–Mo). Der Mykenäer-Saal (Raum 4) enthält die goldenen Totenmasken, die Vapheio-Becher, die goldenen und silbernen Grabbeigaben und die eingelegten Bronzedolche aus den Schachtgräbern. Wer Mykene besucht, sollte auch Zeit für dieses Museum in Athen einplanen.
Der mykenische Zusammenbruch
Mykene wurde um 1100 v. Chr. abrupt aufgegeben, als Teil des weiteren Bronzezeitkollaps — einer zivilisationsbeendenden Störung, die nahezu jede große Palastkultur im östlichen Mittelmeer gleichzeitig zerstörte oder schwer schädigte (Ägypten, Hethiter, Ugarit, Zypern). Die Ursachen werden noch diskutiert: Klimawandel, Dürre, innere Aufstände, Seismusaktivität und Invasionen externer „Seevölker” wurden alle vorgeschlagen. Die Lineartafeln — die letzten Verwaltungsaufzeichnungen des Palastes — zeigen nichts Ungewöhnliches; der Zusammenbruch scheint schnell und unerwartet gewesen zu sein.
Nach dem Zusammenbruch war die Stätte in kleinerem Maßstab bis in die klassische Zeit kontinuierlich besiedelt (ein kleiner Stadtstaat Mykene schickte Soldaten nach Marathon und Thermopylen), bevor sie endgültig aufgegeben wurde. Die Ruinen waren in der Antike sichtbar — griechische Reisende wie Pausanias beschrieben sie im 2. Jahrhundert n. Chr.
Praktische Informationen
Ab Nafplio: Die häufigste Ausgangsbasis. Taxi ca. 20–25 EUR je Richtung (25 Minuten). KTEL-Bus ca. 3,50 EUR je Richtung, mit begrenzten Verbindungen (aktuellen Fahrplan auf ktelargolidos.gr prüfen). Mehrere Agenturen in Nafplio bieten Halbtagestouren nach Mykene ab ca. 25–35 EUR pro Person einschließlich Transport an.
Ab Athen: Tagesausflug (ca. 65–95 EUR pro Person) kombiniert typischerweise Mykene mit Epidauros und Nafplio, Abfahrt 8–9 Uhr und Rückkehr bis 19–20 Uhr. Alternativ bietet die Eigenanreise ab Athen (1,5 Stunden je Richtung) mehr Flexibilität.
Zeit vor Ort: 2–3 Stunden sind für die Hauptstätte, das Schatzhaus des Atreus und das Museum vor Ort ausreichend. Die Stätte wird zwischen 11:00 und 13:00 Uhr belebter, wenn Reisegruppen ankommen — für das beste Erlebnis bei Öffnung ankommen (8:00 Uhr).
In der Nähe
Tiryns: 12 km von Mykene entfernt, nahe Nafplio — eine zweite mykenische Palastzitadelle, etwas kleiner, aber mit besser erhaltenen Kyklopenmauern und einem zugänglichen unterirdischen Korridor. Eintritt ca. 4 EUR, sonntags von November bis März kostenlos. Deutlich weniger Besucher als Mykene.
Epidauros (25 km von Mykene): Das antike Theater des Asklepios — das akustisch vollkommenste Theater der antiken Welt mit 14.000 Plätzen. Eintritt ca. 12 EUR. Gut mit Mykene an einem Tagesrundkurs kombinierbar.
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Siehe auch
- Nafplio-Reiseführer — die schönste Peloponnes-Ausgangsbasis, 25 km von Mykene
- Epidauros-Führer — das antike Theater, 30 km südöstlich von Mykene
- Antikes Olympia — das olympische Heiligtum, 3 Stunden westlich auf dem Peloponnes
- Peloponnes-Rundreise-Itinerar — der vollständige Peloponnes-Rundkurs durch Mykene und Nafplio
- Tagesausflüge ab Athen — Mykene als Teil eines Athener Tagesausflugs
- Akropolis von Athen — die große bronzezeitliche Stätte Athens, 150 km nordöstlich
Frequently Asked Questions
- Wie komme ich nach Mykene?
- Per Auto ab Athen: ca. 1,5 Stunden (120 km über die A7-Autobahn nach Korinth, dann südlich). Ab Nafplio per Auto oder Taxi: ca. 25 Minuten (18 km). KTEL-Bus ab Nafplio: ca. 3,50 EUR je Richtung, begrenzte Verbindungen. Organisierte Tagesausflüge ab Athen kombinieren Mykene typischerweise mit Epidauros oder der Argolis.
- Was kostet der Eintritt in Mykene?
- Eintritt 12 EUR Erwachsene (Stand 2026). Ermäßigt 6 EUR für EU-Studenten, kostenlos für unter 18-Jährige. Das Ticket umfasst die Hauptausgrabungsstätte, das Schatzhaus des Atreus (ein separates Tor 500 m vom Haupteingang entfernt) und das kleine Museum vor Ort.
- Wie lange braucht man für Mykene?
- Für die Hauptstätte, das Schatzhaus des Atreus und das kleine Museum sind 2–3 Stunden einzuplanen. Die Stätte ist nicht groß, aber es gibt erheblichen Hintergrund, der das Erlebnis bereichert — die Mythen der Atriden (Agamemnon, Klytaimnestra, Orestes) gehören zu den komplexesten der griechischen Literatur.
- Wer war Agamemnon?
- In der griechischen Mythologie war Agamemnon König von Mykene und Anführer der griechischen Streitkräfte im Trojanischen Krieg. Bei seiner Rückkehr wurde er von seiner Frau Klytaimnestra und ihrem Liebhaber Aegisthos ermordet — eine Geschichte, die Aischylos in der Orestie dramatisierte. Die archäologische Stätte wurde 1876 von Heinrich Schliemann identifiziert; er fand Schachtgräber mit goldenen Totenmasken und verkündete, er habe 'das Gesicht Agamemnons' gefunden, obwohl die Funde jeglichem historischen Agamemnon um Jahrhunderte vorausgehen.
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